| Natürliches Gefühl aus dem Hightech-Zeigefinger |
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| Freitag, den 08. Januar 2010 um 11:11 Uhr | |
Duderstadt (ottobock) - Mit einer künstlichen Hand kann Christian Kandlbauer, der als Folge eines Starkstromunfalls beide Arme verloren hatte, jetzt die Temperatur fühlen, raue und glatte Oberflächen unterscheiden und die Kraft eines Händedrucks spüren. Erstmals überträgt eine Prothese solche sinnlichen Wahrnehmungen über die Nervenbahnen zurück an das Gehirn: Ein Meilenstein in der Prothetik-Geschichte.
Otto Bock präsentiert nun die Weiterentwicklung der gedankengesteuerten Armprothese vom Prototyp zur Alltagsprothese. Die bestehende Ausführung mit drei Gelenken bietet dem Anwender bereits ein außergewöhnlich hohes Maß an Selbständigkeit und Unabhängigkeit im Alltag. Für Kandlbauer, der seinen Beruf in einer Kfz-Werkstätte ausübt, ist mit seiner neuen Prothese ein Traum in Erfüllung gegangen: am 19. Oktober 2009 hat er seinen Kfz-Führerschein erworben und tritt seitdem seinen täglichen Weg zur Arbeit ohne fremde Hilfe mit seinem eigenen Fahrzeug an. Rechts benutzt Christian Kandlbauer seinen myoelektrischen DynamicArm zum Betätigen des Lenkrads. Links ist er als erster Europäer mit der gedankengesteuerten Armprothese versorgt. Sie verwirklicht die medizintechnische Vision einer intuitiv gesteuerten Prothese und ermöglicht ihm die Bedienung von Blinker, Hupe und allen weiteren sicherheitsrelevanten Schaltungen. Sein Serienfahrzeug haben die Unternehmen Otto Bock und Paravan, Weltmarktführer im behindertengerechten Fahrzeugumbau, mit Spezial-Zubehör individuell ausgestattet.Seine Führerscheinprüfung hat Christian Kandlbauer mit Bravour bestanden. Sein Auto ist mit der Sonderausstattung vom TÜV abgenommen. Die sieben Kilometer von zu Hause zu seinem Arbeitsplatz in der Steiermark fährt er fortan unabhängig und ohne fremde Hilfe. Was das für ihn bedeutet, hat Christian Kandlbauer so auf den Punkt gebracht: "Der Führerschein und das Auto, sie bedeuten für mich noch mehr Freiheit." Die Grundlage für diesen Erfolg bietet TMR (Targeted Muscle Reinnervation), ein Verfahren, bei dem motorische Nervreste in einem Amputationsstumpf für die Prothese funktionell genutzt werden. Nervenstränge bestehen aus einer Vielzahl von Nervenfasern, die in zwei Gruppen eingeteilt werden: die motorischen (efferenten) und die sensorischen (afferenten) Fasern. Für die Motorik sind die efferenten Fasern eines Nervenstrangs zuständig, die afferenten Fasern übertragen in entgegengesetzter Richtung die sensorischen Wahrnehmungen. Die fühlende gedankengesteuerte Prothese nutzt jetzt beide Fähigkeiten. „In der Zeigefingerkuppe der Prothesenhand sind Mikrosensoren integriert, welche die Temperatur, die Griffkraft und die Oberflächenbeschaffenheit eines gegriffenen Objektes erfassen“, erklärt Dr. Hubert Egger, Leiter des Projekts „Gedankengesteuerter Arm“. Die gemessenen Daten werden mittels eines Mikrochips in geeignete Stimuli „übersetzt“ und zu Aktuatoren auf der Haut übermittelt. Diese erzeugen naturgetreue Reize für die Rezeptoren der sensiblen Nervenfasern, die im Gehirn zu einer wiedererlangten Wahrnehmung führen: der Prothesenträger fühlt wie vor der Amputation mit dem Zeigefinger seiner natürlichen Hand. „Christian Kandlbauer bewegt nicht nur seinen Arm mit Hilfe der Vorstellung eines natürlichen Arms, sondern er hat auch das Gefühl der Hand zurückgewonnen“, sagt Dr. Hans Dietl, Geschäftsführer der Otto Bock Healthcare Products GmbH in Wien. Der gedankengesteuerte Prothesenarm ermöglicht es, Bewegungen in den Gelenken so auszuführen, wie sie vor der Amputation vom natürlichen Arm ausgeführt wurden: intuitiv und simultan. Nervenstränge bestehen aus einer Vielzahl von Nervenfasern, die in zwei Gruppen eingeteilt werden: die motorischen (efferenten) und die sensorischen (afferenten) Fasern. Für die Motorik sind die efferenten Fasern eines Nervenstrangs zuständig, die afferenten Fasern übertragen in entgegengesetzter Richtung die sensorischen Wahrnehmungen. Die fühlende gedankengesteuerte Prothese nutzt jetzt beide Fähigkeiten. „In der Zeigefingerkuppe der Prothesenhand sind Mikrosensoren integriert, welche die Temperatur, die Griffkraft und die Oberflächenbeschaffenheit eines gegriffenen Objektes erfassen“, erklärt Dr. Hubert Egger, Leiter des Projekts „Gedankengesteuerter Arm“. Die gemessenen Daten werden mittels eines Mikrochips in geeignete Stimuli „übersetzt“ und zu Aktuatoren auf der Haut übermittelt. Diese erzeugen naturgetreue Reize für die Rezeptoren der sensiblen Nervenfasern, die im Gehirn zu einer wiedererlangten Wahrnehmung führen: der Prothesenträger fühlt wie vor der Amputation mit dem Zeigefinger seiner natürlichen Hand. „Christian Kandlbauer bewegt nicht nur seinen Arm mit Hilfe der Vorstellung eines natürlichen Arms, sondern er hat auch das Gefühl der Hand zurückgewonnen“, sagt Dr. Hans Dietl, Geschäftsführer der Otto Bock Healthcare Products GmbH in Wien. Die fühlende Prothese ist ein Prototyp. Dr. Hans Dietl rechnet mit einer weiteren Entwicklungszeit von circa vier Jahren. Erst danach wird sie Christian im Alltag nutzen können. Die gedankengesteuerte Prothese hingegen ist bereits im Alltag einsetzbar. Christian Kandlbauer trägt sie auf der linken Körperseite. Rechts benutzt er den DynamicArm®, eine bereits im Markt bewährte muskelgesteuerte Armprothese. Sie setzt die bei Muskelanspannungen entstehenden elektrischen Spannungen über Elektroden auf der Haut in Steuersignale für die Prothese um. Dem inzwischen 23-jährigen Österreicher mussten vor fünf Jahren beide Arme nach einem Starkstromunfall amputiert werden. Die gedankengesteuerte Alltagsprothese wurde am 13. November 2009 im Otto Bock Science Center Medizintechnik in Berlin vorgestellt. Mit der Neuentwicklung kommt Christian Kandlbauer völlig selbstständig zurecht und geht seinem Beruf als Lagerist nach. Den Weg zur Arbeit fährt er inzwischen in seinem eigenen Auto. Und auch da: allein und ohne fremde Hilfe. In Berlin war der von Otto Bock und Fahrzeug-Spezialist Paravan durchgeführte Umbau des Autos gezeigt worden. Das Fahrzeug enthält technische Details wie zum Beispiel eine besonders leichtgängige Servolenkung und eine Ausfallsicherung. Diese stellt sicher, dass selbst im unwahrscheinlichen Fall einer Motorstörung die Leichtgängigkeit der Lenkung aufrecht erhalten bleibt. Grundsätzlich gehört zum Auffälligen dieses Autos aber eher, dass es eben nicht besonders auffällt. Allenfalls noch, dass Sekundärfunktionen wie Blinker, Hupe oder Fensterheber mit Tastendruck ausgelöst werden und das Lenkrad einen Haltegriff für die rechte Prothesenhand besitzt. Dem Führerschein-Neuling blieb bewusst erspart, gleich in den Berliner Stadtverkehr einzufädeln. Auf den nicht weniger hoch frequentierten Straßen Wiens trat er die Heimfahrt in die Steiermark nun bereits ganz souverän an, mitten in der Stadt am Museum für Angewandte Kunst (MAK). Ob er Autofahren mit zwei Armprothesen lange habe üben müssen? „Üben musste ich natürlich schon. 26 Fahrstunden habe ich vor der Prüfung genommen“, antwortet Christian Kandlbauer. Mit zwei Armprothesen hat er also kaum mehr Fahrstunden gebraucht als andere Autofahrneulinge auch. (Pressemitteilungen des Medtech-Unternehmens Otto Bock) |
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Duderstadt (ottobock) - Mit einer künstlichen Hand kann Christian Kandlbauer, der als Folge eines Starkstromunfalls beide Arme verloren hatte, jetzt die Temperatur fühlen, raue und glatte Oberflächen unterscheiden und die Kraft eines Händedrucks spüren. Erstmals überträgt eine Prothese solche sinnlichen Wahrnehmungen über die Nervenbahnen zurück an das Gehirn: Ein Meilenstein in der Prothetik-Geschichte.
Rechts benutzt Christian Kandlbauer seinen myoelektrischen DynamicArm zum Betätigen des Lenkrads. Links ist er als erster Europäer mit der gedankengesteuerten Armprothese versorgt. Sie verwirklicht die medizintechnische Vision einer intuitiv gesteuerten Prothese und ermöglicht ihm die Bedienung von Blinker, Hupe und allen weiteren sicherheitsrelevanten Schaltungen. Sein Serienfahrzeug haben die Unternehmen Otto Bock und Paravan, Weltmarktführer im behindertengerechten Fahrzeugumbau, mit Spezial-Zubehör individuell ausgestattet.